Kaum haben sich die Verantwortlichen aus den Bereichen Marketing und Kommuni-
kation von Daimler/Mercedes darauf geeinigt, das „Mercedes Magazin” künftig in Kooperation zwischen dem Verlag Condé Nast und Jochen Kruse (früher Macher des „Opel-Magazins”) als Chefredakteur produzieren zu lassen, kracht es nach Aussagen von Mercedes-Insidern bereits lautstark zwischen den Partnern der Zwangsehe. Vordergründig geht es im Streit um Kompetenzen und Etatanteile, in letzter Konsequenz aber um eine baldige Korrektur der augenblicklichen Konstellation – also um Scheidung. Wie dossierB Anfang August berichtete, haben Condé Nast und Kruse nach mehreren Pitches gemeinsam den Zuschlag bekommen – zum Nachsehen des bisherigen Magazin-Machers Peter Groschupf und dessen Agentur Premiumcom. Die Aufgabenteilung zwischen dem amerikanischen Lifestyle-Verlag und dem eher biederen Kruse ist Ergebnis interner Rangeleien zwischen Mercedes-Abteilungen. Markenkommunikator Anders Sundt Jensen möchte seinen Einfluss auf das Blatt ausweiten und sich in der Glamour-Welt von „Vogue” und „GQ” auf Lifestyle-Veranstaltungen tummeln. Auf der anderen Seite möchte sich der für die Produkt-PR zuständige Mercedes-Kommunikator Christoph Horn möglichst großen Einfluss auf die Inhalte des Kundenmagazins sichern und hat deshalb seinen alten Bekannten Kruse, der bereits die Pressemappen für Mercedes schreibt, in den Vordergrund geschoben. Die dann gefundene Aufgabenteilung führte allerdings schon in der ersten und mehr noch in der zweiten Redaktionssitzung zu lautstarkem Zoff: Der Streit geht vor allem um die Verantwortung für die Fotoproduktionen, die beide Partner an sich reißen möchten. Für den Condé Nast-Manager Wolfgang Winter wäre das aber nur ein erster Schritt. Er möchte möglichst schnell den Gesamtauftrag übernehmen und nicht nur Kruses Redaktionsbüro „Presse-Partner” ausbooten, sondern am liebsten gleich noch den niederländischen Verlag Hemels Publishers, der auch weiterhin die internationalen Ausgaben produzieren soll. Winter, der vor nicht allzu langer Zeit mit der deutschen Ausgabe von „Vanity Fair” floppte und jetzt bei Condé Nast Deutschland für Corporate Publishing zuständig ist (neben der Verlagsleitung für „GQ” und „GQ Style”), sieht sich dabei offenbar von Jensen unterstützt. Schon nach der ersten Ausgabe, so dringt aus diversen Vorzimmern in Stuttgart, wollen Jensen und Winter neue Fakten schaffen und Kruse hinausdrängen. Zurzeit rangeln die sogenannten Partner noch, wer für die Fotoproduktion zuständig sein soll. Zur Entscheidungsfindung schicken beide Fotografen los, um in einem neuen Pitch zu zeigen, wer\'s besser kann. Dem Vernehmen nach haben sowohl Condé Nast als auch Kruse gleichzeitig bei Foto-
grafen angeklopft, die bisher für Groschupf arbeiteten. Die haben jetzt die Qual der Wahl, ob sie für Kruse oder für Winter auf den Auslöser drücken.
Fortsetzung folgt ...

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